Freitag, 28. November 2008
India's 9/11
Heute Mittag war ich kurz auf der Strasse, die Polizeipräsenz hat stark zugenommen. Es ist schon echt strange, ich hoffe das es nicht zu noch schlimmeren Ereignissen kommt.
Mir geht es auf jedenfall gut, ich meld mich demnächst wieder!!
Samstag, 25. Oktober 2008
WG Leben im Delhi Trainee House

Meine Neue Adresse lautet 7/17 Kalkaji Extention, New Delhi. Das Traineehouse ist cool. Eine schöne Wohnung, vielleicht 120qm groß. Ich wohne zusammen mit:

Tony (Netherlands)

Johan (Netherlands)

Paolo (Brazil)

Hien (Vietnam)

Soufiane (Marocco)

Oussama (Marocco)

Wojtek (Poland)
Alle sind AIESEC Praktikanten und arbeiten entweder in NGO's (Non Goverment Organisations) oder in Unternehmen in unterschiedlichen Bereichen. Z.B Bei TATA Consultancy Services. Wir teilen uns jeweils zu dritt ein Zimmer, das jeweils ein Badezimmer hat. In Hien und meinem Zimmer ist im Moment ein Bett frei. Ich bin selbst überrascht, wie wenig mich das Verlangen nach Privatsphäre bisher geplagt hat. Schon Im Iran, wo ich mein Zimmer 6 Wochen mit jemandem geteilt habe war das kein Problem. Aber vielleicht kommt das ja noch.

Unser großzügiges Wohnzimmer

Mein Bett
Die Kaltmiete beträgt 4000,- Rupees. Zusätzlich zahlt jeder 800 Rupees in die Hauskasse für: Die Cleening Lady, Wasser, Tinkwasser, Strom, Internet, Klopapier, und Küchenkram wie öl, Zucker, Salz, etc.
68 Rps entsprechen 1 EUR. Meine Warm-Miete ist also etwa 70,- Euro. Die Cleening Lady kommt jeden Morgen (ausser Sonntags) und macht erst den Abwasch und putzt danach die Zimmer. Klingt luxuriös, ist es auch. Allerdings muss das empfinden von Sauberkeit muss stark runtergeschraubt werden. Wenn die Cleening Lady den Abwasch macht schau ich lieber nicht zu. Wenn man ihr nicht jeden Morgen sagt, dass sie jedes Badezimmer sauber machen muss, macht sie es nicht. Es ist auch nicht wirklich sauber hier, wenn sie da war. Der Schmutz ist nur gleichmäßiger verteilt. Darauf aufzupassen ist seit dem letzten „House Meeting“ mein Job. Es gibt hier verschiedene Jobs, die wichtig sind für das Überleben von 8 Ausländern in einer Mietwohnung in New Delhi, India. In Deutschland funktionieren Dinge einfach so, hier nicht. Die Jobs sind:
- Pumpe an- oder ausstellen. Jedes Haus hat Wassertanks auf dem Dach, weil sich das Wasser der Stadtwerke nur zu bestimmten Zeiten den Weg durch die Rohre sucht. Damit 8 Leute morgens und abends Duschen können, muss der Tank immer voll sein. Also muss jemand morgens um 5:30 die Pumpe anstellen und jemand anderes um 6:30 wieder aus. Das gleiche Spiel um 5 Uhr nachmittags. Ist der Tank voll, gibt ein Alarm bescheid. Gibt er zu lange bescheid wird die Wohnung der Mieterin über uns mehr oder weniger (je nachdem wie lange wir den Alarm nicht hören) überschwemmt. Bevor ich ankam ist das wohl recht häufig vorgekommen, woraufhin sie aus Wut unsere Mülltonnen gestohlen hat…
- Alle Zahlungen (Miete, Wasser, Internet etc…) regeln und überwachen. Die Miete geht an den Finanzer von AIESEC, den Rest regeln wir selber. Z.b die 20 Ruppes für den Müll-Boy, der jeden Tag unseren Müll abholt.
- Trinkwasser bestellen und bezahlen. Diese Dinge wie Internet, Wasser etc. sind nicht ganz einfach zu regeln, weil man selten eine Rechnung und auch nichts genaues gesagt bekommt…schon gar nicht am Telefon. Manchmal bekommt man nichts und weiss nicht warum.
- Gas zum kochen besorgen. Indien ist ein Gas Kocher Land. Deutschland nicht, kaum jemand hat in Deutschland einen Gaskocher in der Küche. Hier hat es jeder Haushalt. Das Problem ist nur, das es nicht genügend Gas für alle gibt. Also hat jeder Haushalt seine registrierte Gasnummer. Es kann also passieren, dass man mit seinem Gasbehälter kein Gas bekommt. Ich glaub das hat auch was mit Korruption zu tun. Auf jedenfall haben wir beim letzten Mal unser Gas auf dem Schwarzmarkt auffüllen lassen, damit wir etwas kochen können. A propos Gaskocher. Es ist schon witzig, was einen manchmal einholt. Ich kann mich noch genau erinnern wie uns Frau Schreiter im Hauswirtschaftsunterrricht in der 6. Klasse gelehrt hat: „In der Spitze der Flamme liegt die heisseste Stelle. Wenn man den Gashahn zu stark aufdreht, geht Hitze verloren und man verschwendet unnötig Energie!“ Es gab sogar eine zwei Abbildungen für unsere sorgfältig geführte Mappe. Richtig und falsch. Richtig war, wenn die Spitzen der einzelnen Flammen gerade den Topfboden berühren. Falsch, wenn sie wild an der Seite des Topfes empor steigen. Jetzt, gute 12 Jahre später nun der Feldversuch an einem indischen Gasherd: Also entweder herrschen hier andere physikalische Gesetze, oder ich hab da was fundamental falsch verstanden. Ich habs mehrmals ausprobiert: mein indisches Wasser kocht umso schneller, je mehr ich den versifften Hahn aufdreh!!!
- Küchenutensilien und Klopapier kaufen
- Und eben die Cleaning Lady überwachen.
Ansonsten ist das WG-Leben recht spaßig.

Paolo versucht sich in musikalischer Erleuchtung

Hien macht ab und an Massagen (normalerweise ohne Gummihandschuhe...)
Sonntags unternehmen wir meisstens was zusammen. Delhi ist ne riesen Stadt, in der man viel erleben kann. Auch das AIESEC-Netzwerk beschert uns diverse Möglichkeiten, z.B Fussball spielen in der sudanesischen Botschaft:


..oder indische Upper Middle Class Partys:



Mittwoch, 22. Oktober 2008
Schon im Flugzeug fängt Indien an
Aber wir sind ja auch nicht in Europe, sondern auf dem Weg nach Indien. Im Flugzeug saßen fast nur Inder, oder zumindest Leute die für mich indisch aussahen. Als ich den Flieger einstieg, habe ich bereits Indien betreten. Und in Indien ist alles anders. Ich bin noch leicht verschlafen als das Flugzeug zur Landung ansetzt. Noch bevor das Flugzeug den Boden berührt hatte, stand der erste Passagier auf und holte sein Gepäck aus der Ablage. Alle Signale waren noch auf „Fasten your seat belts.“ Erst nach einigem Gekreische einer Stewardess setzte sich der Passagier wieder hin. Nach der Landung, noch beim einparken, gings dann los. Ich hab gelernt das Wahrnehmung stark von der eigenen Kultur geprägt ist. Nach meiner Wahrnehmung waren das schon Panik artige Zustände. Alle Passagiere (ausser mir) sprangen von ihren Sitzen und versuchten zeitgleich so schnell wie irgend möglich ihr Handgepäck aus der Ablage zu zerren. (während das Flugzeug noch zum Terminal fuhr) Da half auch kein Gekreische der Stewardess mehr. Die Inder waren einfach lauter. Erst als der einzige männliche Flugbegleiter sich mit kräftiger Stimme dem Mob zuwendete, kehrte einigermaßen Ruhe ein. Einige setzten sich wieder hin. Der Steward verkündete mit böser Miene, dass keiner das Flugzeug verlassen wird, wenn sich nicht augenblicklich alle wieder hinsetzen!! Als sich die Türen dann öffneten, setzten einige zum Sprint zum Terminal an. Ich verließ entspannt als letzter den Gulf Air Flieger und betrat indischen Boden.
Wer aus dem Terminal dem Ghandi Airport die Stadt Delhi betritt wird begrüßt wie ein Hollywood Star auf dem Weg über den Roten Teppich zur Oscar Verleihung. Es fehlt nur der Teppich. Links und rechts neben der Absperrung stehen hunderte Taxi Fahrer, Gepäck-Träger und sonstige Geschäftemacher. Selbst um 6 Uhr Morgens. Von meiner AIESEC-Kontaktperson Prithvish wurde mir gesagt, jemand wird mich abholen. So wie ich selbst etliche Male AIESECer aus aller Welt mit unserer Fahne am Flughafen Hamburg abgeholt habe. AIESEC Indien ist dafür bekannt, dass dies nicht immer klappt, aber ich habe Glück und nach einiger Zeit sah ich das Pappschild mit der Aufschrift „AIESEC“.
Karan, 17 Jahre, begrüßte mich freundlich und sein personal driver fuhr uns direkt zu sich nach Hause. Bevor ich in die Wohnung eintrat, segnete mich seine Mutter mit dem typischen Punkt aus rotem Pulver auf der Stirn. Die erste Nacht verbrachte ich bei Ihm, bekam indisches Essen (sehr scharf..) und wir besorgten mir eine SIM Karte für mein Handy. Von dort aus wurde ich direkt in das Trainee House gebracht. Hier bin ich nun seit 2 Wochen in meinem ZuHause für die nächsten 6 Monate. Karan habe ich seitdem nicht wieder getroffen.
Karan
Serh würziges Frühstück, nach Punjabi - Art
Sonntag, 12. Oktober 2008
Incredible INDIA
Die hübschen Stewardessen von Gulf Air servierten also schonmal einen Vorgeschmack auf den Freedom of choice, den ich in Bahrain eigentlich gar nicht erwartet hätte. Eigentlich hab ich gar nichts erwartet, weil ich keinen blassen Schimmer hatte, wo dieses Königreich überhaupt liegt und was das für ein Ort sein soll. Bahrain ist eine kleine Insel vor Saudi Arabien, direkt neben Qatar, westlich von Dubai. Als ich den Transitbereich betreten habe, offenbarten sich mir dann die wohlbekannten Gesichter der Konsumgesellschaft: McDonalds, Hugo Boss, Toblerone, Jack Daniels, usw. Und Kaffee:

Während ich also einen Capuccino mit reichlich Sahne und Caramel Topping genoss schaute ich mir das bunte treiben auf diesem Flughafen an. Hier war wirklich alles vertreten: Komplett verschleierte Frauen in Schwarz (inklusive undurchsichtigem schwarzem Gesichtsschutz!!), Scheichs in weissen Gewändern, blonde Mädels in Hotpants, Backpacker, ein merkwürdiger Typ (wahrscheinlich Amerikaner) mit kurzen Hosen, ein Bein komplett in schwarz tätowiert, auf der rasierten seite seines Kopfes ein Schachbrett-Muster tätowiert!!!
Wow, die 5 Stunden gingen rel. schnell rum, hier ein paar Eindrücke:



Trip nach Isfahan
Mit Ewa aus Polen habe ich noch einen Wochenendtrip gemacht. Nach ISFAHAN. Diesmal mit dem Bus und mit meinem Reisepass:
Die persische Gastfreundschaft hört auch im Bus nicht auf,
jeder Reisende bekommt ein Lunchpaket gereicht...
Ewa...
...und ich morgens um 8 auf dem Imam Square in Isfahan
Ein Geist..
Bazaar...
Ein ungebetener Reiseführer
In einer Pferde Kutsche
Mein Lieblingsbild aus Isfahan, ein Teehaus
Teechen?
Flying Carpet.. da war doch was.. ja schließlich sind wir im Orient.. Da der Teppich aber nur schlaff über einem Holzbrett hing, haben wir den Bus zurück nach Tehran genommen!
Hier noch ein Foto von den AIESECern in Tehran.. ich werde diese 6 Wochen nie vergessen!!

Merci, Khodafez
Montag, 29. September 2008
Tschüss IRAN, INDIA ich komme !!
Ich hab noch einige Fotos aus Isfahan (ein weiterer Ausflug) und Tehran. Die werden selbstverständlich nachgereicht.
Aber jetzt mach ich mich erstmal gedanklich startklar für das oft beschriebene, oft bereiste, oft bestaunte, INDIEN. Ich bin auf alles gefasst, glaub ich zumindest... Indien ist das 24. Land das ich betrete, ich bin gespannt!!
Wie war Iran?? Es gibt soviel zu sagen und zu schreiben. Um es kurz zu machen: Diese 6 Wochen hier waren einfach der Hammer. Dieses Land ist echt cool. Die Menschen haben eine ganz besondere Art. Obwohl ich nur so kurze Zeit hier war, hab ich das Gefühl Freunde fürs Leben gefunden zu haben. Ich kann nur jedem empfehlen mal in den Iran zu reisen. Hier gibt es echt viel zu sehen. Und was Sicherheitsbednken angeht: Tehran ist echt eine der sichersten Großstädte, die ich kennen gelernt habe.
Es ist einfach schade, dass politische Differenzen die Folge haben, dass ein komplettes Land so ein schlechtes Image hat. Mein Eindruck ist, dass dieses Land einfach verdammt viel Pech hat mit der Regierung und jeder einzelne Iraner die Folgen tragen muss. Aber das sollte niemanden daran hindern mal einen Abstecher in den Orient zu machen.
Besten Dank, ich meld mich aus Delhi :)
Montag, 15. September 2008
Trip nach Yazd, oder: „No Passport – No Train!“
Chris und ich hatten uns die Bahntickets besorgt und waren am Mittwoch Abend (also quasi Freitag Abend) ready to go. Angekommen an der Tehran Railway Station wollten wir also auf zum Gleis und in den Zug steigen. Allerdings ist Bahnfahren mit der „Raja Passenger Trains co.“ etwas anders als entspannt in Hamburg in den ICE nach Köln zu steigen. Wir mussten leider feststellen, dass man ähnlich wie am Flughafen durch einen Checkpoint muss. Und dieser beinhaltet für Ausländer auch einen Visa-Check. Kleiner Exkurs: Da ich in Hamburg nur ein 30-tage Visum erhalten habe, musste ich am Tag vor unserer Bahnreise meinen Pass im „Ministry for Foreign Affairs“ abgeben. Sie sagten mir, die Visa-Verlängerung dauert eine Woche. Allerdings sollte ich den Pass an dem neuen Standort der Behörde abholen, weil sie in dieser Woche umziehen werden. Ok… ich stellte mir vor wie hungrige Hilfsarbeiter, die den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten (Ramadan) eifrig gepackte Kartons voller Reisepässe auf einen klapprigen Lkw laden, damit quer durch diese Riesenstadt fahren und völlig verplant in irgendein anderes Gebäude wieder abladen…und wie ich nächste Woche frohen Mutes am neuen Schalter nach meinem Pass frage (der auch mein 150,- Euro Indien-Visum enthält). Die Antwort würde sicher sein „Baseda…one moment…..no Baseda!“ Aber erstmal abwarten...
Aber das wird sich nächste Woche raustellen, entscheidend für die Bahnreise war, dass ich also keinen Pass dabei hatte. Irgendjemand hatte es mir auch vorher erzählt aber ich hab irgendwie nicht dran gedacht. Nun stand ich da ohne Pass, 10 Minuten vor Abfahrt. Ich hatte glücklicherweise eine Kopie dabei, aber nur von der ersten Seite des Passes, nicht von dem Visum. Der Police Officer konnte kein Englisch und fragte unentwegt: „Visa, Visa?“ Da half nur ein Anruf bei Saman, der dann über das Handy meine Situation erklären konnte. Der Officer war gnädig und erlaubte uns die Abfahrt. Nun also konnten wir durch die Schranke Richtung Gleis. Alle 5 Meter auf dem Weg zum Gleis und vor jedem Waggon des Zuges stand Uniformiertes Personal, beim einsteigen wurde das Ticket mit der Unterschrift des Police Officers erneut gecheckt. Während wir also in letzter Minute zum Zug hasteten und dann endlich drin saßen sagte mir Saman am Telefon: „Tobi, ich hab dir doch gesagt, mach eine Kopie von deinem Visum. Ohne Visum kannst Du nicht in das Hotel einchecken und nicht Bahn fahren. Ausserdem wirst du verhaftet, wenn es irgendwo eine Kontrolle gibt!“ Oh...der Zug setzte sich in Bewegung und verließ den Bahnhof Richtung Yazd. Ich dachte mir, wieso muss das verdammt nochmal alles so kompliziert sein, wieso kann man nicht einfach einen Wochenendtrip machen ohne diesen Ärger. Als ich mir später mal auf einer Karte angeschaut habe wo Yazd eigentlich liegt, ist mir bewusst geworden wo ich mich eigentlich befinde. Das westliche Nachbarland des Iran ist Irak und im Osten liegt Afghanistan. Yazd liegt genau in der Mitte. Vielleicht sind da gewisse Sicherheitsvorkehrungen gar nicht schlecht. Ausserdem hatten wir Glück. Der Hotelbesitzer war Holländer und hatte kein Problem mit meiner Passkopie und bei der Rückreise wurden die Pässe nicht kontrolliert. Aber nun zu der mind. 1000 Jahre alten Wüstenstadt Yazd, die übrigens auf der alten „Seidenstrasse“ liegt:
Chris und unsere sehr netten Mitreisenden im Zugabteil
Teechen im Zug
www.silkroadhotel.ir -> Cooles Hotel/Hostel in Yazd
Unsere "Reisegruppe": Rie aus Japan, Elena aus Latvia, und 2 chinesische Pärchen
2000 Jahre altes Dorf, Kharanaq. Die Dorfbewohner sind einfach vor ca 30 Jahren ausgezogen und haben ein paar Meter weiter neue Häuser gebaut. Die "Lehmfestung" steht seitdem einfach leer, man kann nach herzenslust drin rumlaufen.
Mosche in Yazd


